Die Geschichte der Maschinenfabrik Seydelmann reicht bis weit in das vorletzte Jahrhundert zurück. 1843 stellte der Firmengründer Andreas Seydelmann Antrag auf Ausstellung eines Zeugnisses zur Erlangung des Meisterrechts und eine Genehmigung zur Errichtung einer Schlosserwerkstatt. Er konstruierte, baute und verkaufte dort innerhalb der Region fast alle von Kunden gewünschten Maschinen und Maschinenanlagen. So gehörten zum damaligen Produktionsprogramm u. a. Dampfmaschinen, Feuerwehrspritzen, Luft- und Wasserpumpen.
Maschinenfabrik Seydelmann im 19. Jahrhundert
Im Jahr 1880 ging der Betrieb auf seinen Sohn Louis Seydelmann über, der den Firmensitz vom ursprünglichen Standort im Zentrum Aalens an den Stadtrand verlegte. Da die frühere Betriebsstätte in der Nähe des Schlachthofes lag, hatte Louis Seydelmann schon immer guten Kontakt zu den Metzgern aus Aalen und Umgebung.
Diese traten im Jahre 1886 mit der Bitte an ihn heran, eine Maschine zu bauen, die das Zerkleinern des Fleisches zur Wurstherstellung erleichtern sollte. Er fertigte daraufhin eine stationäre, wasserangetriebene Fleischhackmaschine. Bald kamen viele Metzger aus der Umgebung zu ihm und ließen sich das Fleisch maschinell zerhacken.
Diese Fleischhackmaschine war die Grundlage für den Geschäftsbereich Metzgereimaschinen der Maschinenfabrik Seydelmann.
Im Jahre 1910 baute der nächste Firmeninhaber, ebenfalls mit Namen Louis Seydelmann, seine ersten transmissionsgetriebenen Fleischwölfe und Fleischkutter. In dieser Zeit zerkleinerten die Metzger ihr Fleisch noch mit Wiegeblöcken, die aber nicht mehr als wenige Schnitte pro Minute zuließen.
Der Seydelmann Fleischkutter galt damals als Revolution, da er bis zu 800 Umdrehungen pro Minute leistete und die Arbeit der Metzger somit enorm vereinfachte.
Damit begann der Siegeszug der Maschinenfabrik Seydelmann als der weltweit führende Hersteller von Maschinen für die Nahrungsmittelproduktion.
Ausstellung historischer Maschinen
Nach Ende des 2. Weltkrieges wurde das Fertigungsprogramm auf die Herstellung von Kuttern und Fleischwölfen konzentriert, nachdem sich die Maschinenfabrik Seydelmann bis dahin auch als Anbieter von Werkzeugen und Werkzeugmaschinen, Rauch- und Kochanlagen sowie Laden- und Schlachthauseinrichtungen einen Namen gemacht hatte.
Während ein Großteil der im Bereich der Fleischereimaschinen tätigen Firmen durch die Kriegseinflüsse teilweise vom Markt verschwunden war, expandierte die Maschinenfabrik Seydelmann, unter der damaligen Unternehmensleitung der Brüder Horst Seydelmann und Ludwig Seydelmann, vom nationalen Anbieter zum weltweit tätigen Unternehmen.
Nach dem Tod von Ludwig Seydelmann im Jahre 1992 trat Peter Seydelmann die Nachfolge seines Vaters an.
Der Name Seydelmann steht heute weltweit als Inbegriff für Spitzenqualität und Innovation. Grund dafür sind zahlreiche Neu- und Weiterentwicklungen wie z.B. der erste Kutter mit massiv rostfreier Schüssel (1961), der patentierte Trennschneidsatz, der weltweit für einen verstärkten Einsatz von Wölfen sorgte (1968), die Entwicklung von Koch- und Vakuum-Kuttern (1971-1973), oder die Konstruktion des bis heute weltweit größten Kutters mit 1200 Litern Schüsselinhalt (1975).
Hier finden Sie weitere Meilensteine der Maschinenfabrik Seydelmann im Überblick:
1950
Konstruktion der damals neuartigen Superkutter und Wolfautomaten mit eingebauten Motoren, Keilriemen und Kettenantrieb.
1956
Unter dem Motto "Ladenbau mit Schwung" feiert Seydelmann auch beim funktionellen Innenausbau von Metzgereien dank neuester Technik in kreativem Design überwältigende Erfolge.
1954 – 1957
Erweiterung des Produktionsprogramms auf Superkutter bis 475 Liter Schüsselinhalt und Wölfe bis 200 mm Lochscheibendurchmesser.
1958
Weiterentwicklung zum RASANT-Kutter mit verstärkten zweitourigen Motoren – der erste hochtourige Mehrgeschwindigkeits-Kutter war somit entwickelt.
1958
Damals revolutionärer Einsatz von rostfreiem Stahl beim Kutterdeckel.
1959
Seydelmann Maschinen werden mit hydraulischen Beladevorrichtungen ausgestattet und der erste voll programmierbare Kutter mit Programmkartensteuerung wird an die Firma Schweißfurt in Dachau geliefert.
1961
Seydelmann stellt seine Vorreiterrolle am Markt erneut unter Beweis und liefert den ersten Kutter mit massiv rostfreier Schüssel aus.
1965
Die ersten ULTRA-Kutter mit Mischgängen werden gebaut – eine Erfindung, die für eine erhebliche Arbeitserleichterung und Rationalisierung sorgt.
1965
Kutter und Wölfe werden mittlerweile an allen Außenflächen vollständig rostfrei verkleidet.
1967
Konstruktion und Bau des damals weltweit größten Kutters mit 750 l Schüsselinhalt - die Maschine wird nach Kanada geliefert.
1967
Sensationelle Entwicklung des Kombinationswolfes speziell für den amerikanischen Markt zur Hamburgerfertigung. Der spektakuläre Erfolg der Maschinen führt zum Export ganzer Großserien in die USA.
1968
Aufnahme der Mischwölfe in das Fertigungsprogramm.
1968
Durch die Entwicklung des Trennschneidsatzes können alle Seydelmann Wölfe ab diesem Zeitpunkt auch als Trennwölfe eingesetzt werden. Die Markteinführung der patentierten Seydelmann Trennschneidsätze bringen eine wesentliche Erleichterung und Zeiteinsparung bei der Verarbeitung von sehnenhaltigem Fleisch.
1970
Die ersten Wolfautomaten mit 300 und 400 mm (!) Lochscheibendurchmesser verlassen das Werk Seydelmann. Die gigantischen Ausmaße dieser Maschinen leiteten eine neue Ära bezüglich Volumen und Leistung von Wölfen ein.
1971
Neueste fleischtechnologische Forschungsergebnisse und Erkenntnisse führen zur Entwicklung des Vakuum-Kutters. Die geniale Konstruktion des Seydelmann Vakuum-Kutters wird patentrechtlich geschützt.
1973
Seydelmann bringt den ersten Kochkutter auf den Markt. Das bahnbrechend neue Kochwurst-Produktionsverfahren bringt dem ersten Käufer einen enormen Qualitätsvorteil.
1975
Der bis heute weltweit größte Kutter mit 1.200 Litern (!) Schüsselinhalt wird von Seydelmann hergestellt. Ein absoluter Superlativ beim Bau von Fleischverarbeitungsmaschinen in mehrfacher Hinsicht: gigantisches Schüsselvolumen und ein bis dahin unerreichter Automatisierungsgrad.
1978
Ein umwälzend neues Prinzip wird beim Zerkleinern von Gefrierfleisch mit dem Gefrierfleischwolf GW 300 verwirklicht: durch den eingebauten Drehmomentwandler hält die Maschine auch härtesten Beanspruchungen beim Zerkleinern von Gefrierfleisch mühelos stand.
1983
Einführung der Seydelmann DC-Kutter Generation und damit der Hochgeschwindigkeitstechnologie beim Kutterverfahren. Seydelmann machte die schnellsten Kutter nochmals um die Hälfte schneller - ein erneuter Vorstoß in Grenzbereiche des Maschinenbaus und Schaffung eines neuen Hochgeschwindigkeitsstandards.
1985
Alle Seydelmann Kutter werden ab diesem Zeitpunkt mit einem massiv rostfreien Maschinenständer ausgerüstet. Ein neuer Maßstab hinsichtlich Lebensdauer und Hygiene.
1987
Seydelmann präsentiert eine Mischerfamilie mit 1.000 bis 5.000 Liter Trichterinhalt.
1990
Ausweitung der Seydelmann Planungs- und Projektierungsabteilung. Modernste EU-Fleischverarbeitungsbetriebe werden von Seydelmann Technologen und Ingenieuren mit Hilfe allerneuester CAD-Technik für Kunden in aller Welt entwickelt.
1997
Vakuum-Mischer mit 600, 1.000, 1.300, 1.800, 2.500 und 3.500 Litern Trichterinhalt kommen auf den Markt.
2000
Seydelmann bringt die ersten Kutter mit frequenzgeregeltem Antrieb auf den Markt.
Der neue, wartungsfreie AC-Kutter steht für höchste Messergeschwindigkeiten, effektive Einsatzmöglichkeiten und Stromersparnis.
2001
Der neue Konti-Kutter KK 250 AC-6 wird auf der IFFA 2001 zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert. Zudem bietet Seydelmann ab diesem Zeitraum komplette Produktionslinien an.
2004
Die super schallgedämmten Kutter K 62 und K 122, der Hochleistungskutter
K 160 sowie die neuen Automaten-Mischwölfe werden auf der IFFA 2004 vorgestellt.
2007
Zur IFFA 2007 präsentiert Seydelmann viele neue Innovationen. So wird der neue Konti-Kutter KK 140, der Automaten-Mischwolf AM 130, die Hochleistungskutter
K 124 und K 126 sowie das Online Analyse System und die Programmsteuerung Memory 3000 dem Fachpublikum präsentiert.